iPads in der Hochschullehre – ein erstes Resümee

Das erste Semester mit den iPads in der Lehre ist vorüber. Zeit für ein erstes Resümee – mit engem Blickwinkel auf die Hochschullehre.

Ohne jeden Zweifel ist der Einsatz der iPads in unserem Seminar medienpädagogisch ein Erfolg. Unsere TeilnehmerInnen, allesamt zukünftige Lehrkräfte, sind gut für die Zukunft gerüstet. Keine Berührungsängste. Intensive eigene Erfahrungen mit den Geräten. Beste Voraussetzung also, um sich kritisch mit dem Thema Tablets an Schulen auseinanderzusetzen und vorbereitet zu sein, wenn man an der Schule später auf solche Medien trifft. Das alleine rechtfertigt aus meiner Sicht bereits die Anschaffung der iPads. Doch das sagt noch nichts über den Sinn von iPads in der Lehre im Generellen aus.

Was hat uns der Einsatz der iPads ganz konkret hinsichtlich der Seminarthemen gebracht?

Seminar Tag Cloud

Sprich, welchen Mehrwert konnte das iPad inhaltlich leisten? Immerhin ist dies ein wesentliches Verkaufsargument von Apple.

Zur Erinnerung, die Themenpalette des Seminars umfasst: Pädagogik 2.0, Inklusion, Lehrergesundheit, Interkulturelle Bildung und Erziehung, Jugendliche ohne Ausbildungsplatz, School Shootings, Neurodidaktik,  Qualitätsmanagement an beruflichen Schulen, Berufsbildung in Israel, Europäischer Qualifikationsrahmen.

Das hochgepriesene Angebot des App-Stores stellte uns leider nichts Nenneswertes zur Verfügung. Thematisch nahe Apps wie Berufe.tv zum Thema JoA oder 3D Brain zum Thema Neurodidaktik wurden von den Studierenden, wenn überhaupt nur privat ausprobiert. Inhaltlich hatten diese Apps für das Seminar keine Relevanz.

Ebenso wenig fündig wurde ich auf iTunes U. Zwar gibt es zu unseren Themen ganz vereinzelt Materialien, beispielsweise zum Thema Inklusion eine Audio-Aufzeichnung einer Vorlesung der LMU aus dem Jahr 2009. Doch welchen Wert hat eine 60minütige Audiodatei für unsere Veranstaltung?

Fazit: Inhaltlich brachte das iPad unserem Setting keinen Mehrwert.

Was brachten uns die iPads methodisch im Seminar?

Die Einbindung eines externen Experten via Skype-Videogespräch über das iPad war sicher das Highlight. Wir hatten solche Gespräche bereits in früheren Semester im Seminar mittels Laptop durchgeführt, doch die Flexibilität des Tablets überzeugte mehr: Die leicht veränderliche Positionierung der Kamera, die (hierfür) gute Mikrofonqualität und insbesondere das kabellose Arbeiten (wegen der langen Akkulaufzeit, Beamerverbindung über Airplay via AppleTV) erleichterten uns das Videogespräch sehr.

Sehr schön auch die papierlose Lehrveranstaltung. In vergangenen Semestern gab es für alle Teilnehmer kopierte Handouts in jeder Seminarsitzung. Seitenzahl (5-8) x Teilnehmerzahl (15-25) x Seminarsitzungen (12-14) ergibt Kopien im vierstelligen Bereich. Dazu eventuell Leseaufträge für Gruppenarbeiten oder sonstige weiterführende Informationen. Das alles wurde nun als PDF auf dem iPad bereitgestellt und so eine Menge Papier eingespart. Alle Unterlagen waren zudem jederzeit griffbereit.

Wir erstellten Videopodcasts mit dem iPad. Ein Novum für uns. Dies klappte nicht reibungslos, aber das iPad mit seiner einfachen Bedienung hat uns überhaupt erst auf die Idee gebracht, über Videopodcasts nachzudenken. Die Ergebnisse sind hervorragend, wenn auch mit hohem Aufwand erarbeitet (wohlgemerkt aufgrund fehlender Usability des iPads).

Beim Onlinelernen brachte das Apple-Tablet hinsichtlich der Onlinekommunikation mit Skype oder Adobe Connect und der Onlinezusammenarbeit mit Mindmeister viele Einschränkungen. Den iPad-Apps fehlen relevante Funktionen gegenüber der korrespondierenden Softwarevollversion auf Laptops und Computern. Der höhere Mobilitätsfaktor des iPads (überall dabei, überall bereit) ist sicher gegeben, doch in der Summe muss man sogar sagen, dass uns das iPad in unserer Onlinelernphase methodisch mehr behindert als unterstützt hat.

Die methodischen Varianten des Web 2.0-Einsatzes im Seminarraum konnten bislang ebenfalls wenig überzeugen. Ob Twitter, eClicker oder Willyou.typewith.me, hier sind wir von einer Serienreife für die Lehre noch weit entfernt. Wir haben wertvolle Erfahrungen gesammelt, die hoffentlich mehr und mehr zu überzeugenden Methoden heranreifen.

Fazit: Flexiblere Videogespräche, papierlose Lehrveranstaltung, Videopodcasts erstellen, hohe Mobilität beim Onlinelernen, das Erleichtern oder Ermöglichen von Web 2.0 in der Präsenzlehre. Das klingt nicht so schlecht. Rechtfertigt dies eine Investitionssumme von gut 18.000€ und unzählige Zeitstunden Vorbereitung? Selbst ich als Web 2.0- und Tablet-Enthusiast bin etwas ernüchtert.

Rein aus diesem – zugegebenermaßen engen – Blickwinkel ist der Hype um das iPad in Lehre und Unterricht nicht gerechtfertigt. Weitere Perspektiven und Sichtweisen folgen.

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2 Antworten zu iPads in der Hochschullehre – ein erstes Resümee

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  2. Vasilij schreibt:

    Ein Grüezi aus der Schweiz

    Ein interessantes Resumée, vielen Dank dafür. Ich finde es super, dass diese Anschaffung gemacht wurde. Neues Medium, neue Methoden. Man muss zunächst mal alles kennenlernen und erforschen. Ich kann mir gut vorstellen, dass das iPad in Zukunft für die Hochschullehre noch hohes Entwicklungspotenzial besitzt. Sogar allgemein im Schulwesen. Ist doch eine interessante Zeit, in der wir leben🙂

    Gruss, Vasilij „Tarner“

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