Videopodcasts auf dem iPad

Audiopodcasts erstellen wir in unserem Seminar schon seit einigen Jahren. An Videopodcasts hatten wir uns dagegen lange nicht rangetraut, da der Aufwand und insbesondere die technischen Voraussetzungen zu hoch erschienen. Zwar verfügen wir am Lehrstuhl sowohl über Kameras, Mikrofone und einen eigenen Rechner für Videoschnitte, doch die Einarbeitung sowohl in Hard- als auch Software – so meine bisherige Einstellung – sprengt den Rahmen unseres Seminars.

Aufzeichnung für ein Videopodcast

Mit den iPads rückten Videopodcasts erstmals ernsthaft in unser Bewusstsein. Zum einen integriert das iPad fast alles in einem Gerät: Eine eingebaute HD-Kamera und die notwendige Aufnahme- und Schnittsoftware (iMovie für 3,99 €). Zum anderen lockte das Markenzeichen von Apple: Intuitiv bedienbare Software. Als dann unsere Studierenden trotz eines gegenüber Referaten oder Audiopodcasts höheren Aufwands auch noch bereit waren, Videopodcasts auszuprobieren, ging es einfach los.

Die Videoqualität des iPads löst zwar keine Begeisterungsstürme aus, ist aber im Hinblick auf die Veröffentlichung in Videoportalen ok. Was die Bedienung des iPads angeht, lassen sich die Aufnahmen kinderleicht erstellen. Um die Kameraführung insbesondere in Interviewsituationen ruhig zu gestalten, verwenden wir eine iPad-Halterung auf einem Mikrofonständer. Das eingebaute Mikrofon hat eine erstaunlich hohe Empfindlichkeit, so dass auch Gespräche in einigen Meter Entfernung aufgenommen werden. Die Mikrofoncharakteristik ist freilich nicht für diese Zwecke gemacht, deswegen muss – oder besser gesagt müsste – ein externes Mikrofon zum Einsatz kommen. Die großen Probleme hiermit sind bereits im Blogbeitrag Erstellen von Audiopodcasts auf dem iPad dargestellt.

Interviewsituationen werden mit 2 iPads aufgezeichnet (eine Totale und eine Nahaufnahme). Anschließend müssen beide Aufnahmen für den Schnitt auf ein iPad gespielt werden. Der Datentransfer ist – iPad-typisch – benutzerunfreundlich. Wir konnten es mittels App FileBrowser und einem NAS-Laufwerk lösen. Das Problem für die Dozenten ist allerdings, dass jedes Videopodcast von neuen Teilnehmern bearbeitet wird und die Transferfrage trotz Videotutorial immer wieder von Neuem einer Hilfestellung bedarf.

Videobearbeitung mit iMovie

Der Schnitt der Videodateien in iMovie ist relativ einfach und gewohnt intuitiv zu bewerkstelligen. Das App läuft stabil und die Ladezeit bei der Videobearbeitung ist erstaunlich flüssig und schnell. Der Teufel steckt wie immer im Detail. Zunächst ist die iMovie-Version für das iPad gegenüber der Desktop-Version abgespeckt. Dies vereinfacht es für Einsteiger, lässt aber für uns relevante Funktionen vermissen. So können wir beispielsweise die Tonspur einer Videosequenz nicht von der Videospur abtrennen (nur ausschalten). Bei einem Interview soll der Ton einer Aufzeichnung allerdings durchlaufen, während die Kameraperspektive immer wieder umschaltet. Somit bringt der Perspektivenwechsel zwangsläufig qualitative Einbußen beim Ton mit, weil die iPads bei der Aufnahme unterschiedlich weit weg und in anderem Winkel stehen.

Nun wollten wir dies umgehen, indem wir den Ton einfach extra aufzeichnen (mit einem Zoom H2 Diktiergerät). Hier kommt die Crux: Wie bekommt man die Aufzeichnung nach iMovie? Per FileBrowser, Dropbox oder Goodreader schaffen wir es auf das iPad, aber nicht nach iMovie. Schlau wie wir sind, zeichneten wir den Ton einfach über GarageBand mit einem dritten iPad auf. Aber wie bekommt man die Aufzeichnung von GarageBand nach iMovie? Man mag es nicht glauben, aber dies ist nicht ohne Fremdcomputer möglich. Es funktioniert ausschließlich, indem man die Audiodatei per iTunes auf einen Computer synchronisiert, dort in die iTunes Bibliothek lädt und dann zurück aufs iPad synchronisiert.

Fazit: Das iPad stolpert über sich selbst. Der umständliche Datentransfer sowohl extern (iPad zu iPad oder auch Fremdkamera zu iPad) als auch intern (GarageBand zu iMovie) ist ein Zeitfresser und erfüllt unsere Erwartungen nicht.

Da die erstellten Videopodcasts trotzdem eine tolle Sache sind, führen wir sie sicher fort. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings hoch, dass wir zukünftig nicht mit dem iPad, sondern mit Alternativen arbeiten.

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11 Antworten zu Videopodcasts auf dem iPad

  1. Maria schreibt:

    Videopodcast…ein Thema, welches mich über ein paar Wochen begleitete…
    (Lehrergesundheit)

    nachdem die Problematik einen Betreuer zu finden endlich gelöst war, konnte der Startschuß fallen…
    da ich vorher weder irgendetwas „richtig“ gefilmt habe, noch ein Podcast erstellt habe…. war es für mich eine super Erfahrung und eine große Herausforderung…
    Mit der sehr netten Expertin wurden die Fragen im Voraus per E-mail kurz ausgetauscht und einem Treffen stand nichts mehr im Weg…
    Das Interview verlief ohne Probleme, 2 ipads (die in Ständer eingespannt waren) filmten aus 2 verschiedenen Perspektiven. Wegen der guten und zeitaufwendigen Vorbereitung verlief das Interview reibungslos.
    Das Schneiden war dann die nächste Herausforderung🙂
    Nachdem ein bisschen Vertrauen zum Programm hergestellt war, wusste man im groben wie es funktioniert. Nach langer Spielerei und vielem rumprobieren, ist es eigtl einfach zu bedienen.

    Es kamen jedoch auch die ein oder andere Schwierigkeit und Nachteile zum Vorschein.
    Die Tonqualität war eher schlecht als gut. Trotz einem zusätzlichem Mikrophon, konnte die Tonqualität nicht verbessert werden. Die Aufnahme wurde zeitgleich auch mit einem Aufnahmegerät mitgeschnitten, aber wie zieh ich sowas auf ein Ipad?? Das Zusammentragen war die unlösbare Schwierigkeit.
    Schade finde ich auch, es gibt keinen Zoom. Es wären damit noch bessere und vielfältigere Aufnahmen möglich.
    Das Schneideprogramm, eigentlich einfach zu bedienen, jedoch teilweise sehr sehr umständlich. Das aufgezeichnete Interview dauerte knapp 20 min. Man konnte in dem Programm nicht bei einer bestimmten Minutenanzahl einsteigen und musste jeeeedesmal das gesamte Interview zurechtziehen.
    Nach langen Nächten war das Videopodcast dann endlich fertig.
    Die Freude und der Spaß an diesem Leistungsnachweis kamen nicht zu kurz, besonders die Arbeit im Team empfand ich persönlich toll. Witzig und es wurde viel gelacht. Die Teamarbeit hat besonders auch für die Kreativität und Ideen ihre sehr positiven Seiten.

    Fazit: auch wenn es Probleme gab und es sehr sehr Zeitaufwendig ist…ich würd mich wieder dafür entscheiden🙂

  2. Diana schreibt:

    Ich kann mich Maria nur anschließen, wir waren ja ein Team. ( du hast wahrscheinlich gemeint, dass es schwierig war einen Experten zu finden ;))
    Was auch gut war, man sieht erstmal wie man selbst rüberkommt, d.h. Seine Gestik und Mimik wird einem verdeutlicht🙂
    Insgesamt fand ich es eine Super Erfahrung, auch wenn es schon mit einem erheblichen Arbeitsaufwand verbunden ist. Das Thema hat aber wahrscheinlich auch dazu beigetragen, dass ich es als tolle Erfahrung ablegen kann.

  3. Christian Kimnach schreibt:

    Es hat viel Spass gemacht das Videopodcast zu erstellen. Allerdings steckt auch sehr viel Zeit und Arbeit dahinter. Die Vorbereitungen, das Drehen und vor allem das Schneiden waren ganz neue Erfahrungen mit der wir uns erst einmal intensiv beschäftigen mussten. Ein großes zeitraubendes Problem war die Übertragung der Videos auf die beiden iPads. Durch E-mail nur schlecht zu lösen, da man nur kleine Sequenzen senden kann. Das Filebrowser-App war dann schließlich die wilkommene Hilfe. Schade ist die schlechte Tonqualität. Ein zweites Videopodcast würde sicher etwas professioneller werden. Kamera- und Mikrofonplazierung, Lichtquellen….auf so viele Dinge ist zu achten. Aber die Erfahrung war schön und lehrreich. Als kratives Referat in der Schule sicher nutzbar. Lernen mit Freude kommt doch immer gut an.

  4. KATHi schreibt:

    …Videopodcast…ein Thema, welches mich über ein paar MONATE begleitete…
    ich freue mich wenns fertig ist🙂
    Eigentlich ist der Vorschlag ein Videopodcast als Referatsbeitrag zu erstellen eine tolle und interessante Sache – wenn das andererseits nicht wäre.
    Unser Thema: interkulturelle Bildung

    Nachdem wir eine Idee für unser Podcast hatten, machten wir uns auf die Suche nach einem Experten, dies war recht einfach, da unsere Fachfrau für interkulturelle Bildung sehr kooperativ war und gerne mitmachen wollte. Auch eine Schule – für Eindrücke aus der Praxis – konnte gewonnen werden.
    Leider gab es einige Terminschwierigkeiten und immer wieder Absagen unserer Podcastteilnehmer und so verzögert sich das Projekt leider stark.
    Die Aufnahmen an sich waren aber sehr unkompliziert und gingen überraschend schnell über die Bühne. Erst das Zusammenschneiden der Aufnahmen mit unterschiedlichen Geräten bereitet Probleme (1 iPad, 1 Spiegelreflexkamera) aufgrund unterschiedlicher Dateiformate.
    Aber dank der Umwandlung der Dateien durch Herrn Folgmann sollte auch dieses Problem gelöst sein und wir können endlich mit der richtigen Bearbeitung der Aufnahmen beginnen.

    Ich freue mich wenn das Videopodcast fertig ist!

  5. Nina schreibt:

    In unserem Videopodcast über Neurodidaktik konnten wir schon aus den Erfahrungen der KommilitonInnen lernen😉
    z.B. nicht alles an einem Stück filmen, sondern lieber kurze Sequenzen, damit die Bearbeitung von den einzelnen Clips einfacher wird. Zudem haben wir kein externes Mikrofon benutzt-die Tonqualität war subj. besser als mit.
    Schade fand ich bei der Bearbeitung, dass man den Ton nicht weiter laufen lassen und zwischendrin Fotos einblenden kann. Blöd ist auch, dass die Zeit nicht angezeigt wird (nicht nur die insg. Länge), um so exakter schneiden zu können…
    Aber trotzdem war das eine bereichernde und tolle Erfahrung-und wir sind richtig stolz auf unser Video!

  6. Claudia schreibt:

    An dieser Stelle möchte ich auch gleich hinzufügen, dass ich sehr stolz auf das mit Nina erabeitete Videopodcast bin und es jederzeit wieder machen würde! Ist doch richtig cool, sagen zu können, man hat ein eigenes Videopodcast erstellt, zumal ich zu Beginn des Seminars nicht mal wusste, was ein Podcast eigentlich ist😉 Ich denke, es ist ganz gut gelungen, was sicherlich auch mit unserem ausgesprochen engagierten Interviewpartner zusammenhängt, der sich auf unser Experiment „wir nehmen jede Frage extra auf“ spontan eingelassen hat. Wir wussten aus den Erfahrungen unserer Vorgänger, das würde uns später beim Zusammenfügen ne Menge Zeit ersparen, da man mit imovie keine Teile der Sequenz „rausschneiden“ kann, sondern immer nur vom Beginn und Ende der Sequenz schneiden kann (und das Ganze ohne Zeitangabe!).
    Die Interviewsituation war dementsprechend etwas ungewohnt, erinnerte eher an eine Fragestunde, bei der die Aufnahme mit dem ipad im Mittelpunkt stand. Andererseits konnte man diese kleinen Pausen zwischen den Fragen aber nochmal nutzen, um die Frage, bzw. die Antwort durchzugehen.
    Technisch gesehen war für uns das Zusammenfügen der einzelnen Sequenzen nicht das größte Problem, sondern eher der Datentransfer (ohne die Hilfe unseres Dozenten hätten wir das nicht hinbekommen).

  7. Michaela Aigner schreibt:

    Eigentlich ist schon alles gesagt worden.
    Wir waren beide Laien und mussten uns mit einem neuen Medium und Programm auseinander setzen und dazu noch ein fremdes Thema erarbeiten. Es hat definitiv sehr viel Zeit gekostet. Aber ich will diese Erfahrung nicht mehr missen.
    (Ich glaube, ich bin einen Zentimeter gewachsen, weil ich so stolz auf uns war ;))

  8. Kathi schreibt:

    Ich kann mich meiner Teamkollegin nur anschließen. Die vielen Absagen und die lange Verzögerung der Aufnahmetermine fand ich persönlich sehr frustrierend, weil es das für uns nicht unbedingt leichter macht, da nun Schneidearbeit und Prüfungsvorbereitungen stark kollidieren.
    Der Datentransfer stellte sich auch noch als enormer Zeitfresser dar.

    Wenn aber dann ein Ende endlich absehbar ist, kann man wirklich stolz sein und ist um einige Erfahrungen reicher. Man macht ja nicht jeden Tag ein Videopodcast😉

  9. Pingback: iPads in der Hochschullehre – ein erstes Resümee | Lernen mit dem iPad

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  11. Michael Folgmann schreibt:

    Ich bin begeistert: Nach dem letzten Update (iOS und Apps) sind Schnittstellen für den Transfer von Audiodaten geschaffen worden. So ist es nun möglich, Audiodateien von GarageBand direkt an iMovie zu übergeben. Ebenfalls können Audiodateien nun aus allen Apps heraus an iMovie übergeben werden (nicht aber an GarageBand), z.B. aus Goodreader heraus.

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