Urheberrecht

Erinnern Sie sich, wie oft wir im Seminar betont haben, auf Urheberrechte zu achten? Dass Einverständniserklärungen für Podcastsinterviews einholt werden müssen? Dass kein urheberrechtlich geschütztes Musik- und Bildmaterial in Podcasts eingebunden wird? Man sollte als Dozent selbst leben, was man predigt. Ich habe in diesem Blog Urheberrechte verletzt. So peinlich es ist, so lehrreich ist diese Erfahrung.

Was ist passiert? Für dieses Blog verwendete ich bei einem der ersten Blogeinträge ein Bild aus der Bilddatenbank Pixelio.de, ohne den Fotodesigner als Urheber zu nennen. Gestern erfolgte ohne Vorwarnung die Abmahnung durch eine Anwaltskanzlei. Eine Unterlassungserklärung ist zu unterzeichnen, die diese Rechtsverletzung eingesteht, das Entfernen des Bildes oder das Ergänzen der Bildrechte fordert, die entstandenen Kosten (Schadensersatz 49€, Anwaltshonorar 119€) einfordert und eine Vertragsstrafe in Höhe von 1000€ für zukünftige Verletzungen vorschlägt.

Warum das alles? Flüchtiges Lesen. Unaufmerksamkeit. Ich habe auf Pixelio gestöbert und das besagte Bild entdeckt, mich daraufhin im Schnelldurchlauf angemeldet. Die AGB, Datenschutzbestimmungen, Nutzungsbedingungen etc. waren mir zuviel Text zum Lesen. Neben dem Bild stand “Verwendung: Kommerzielle und redaktionelle Nutzung” und ein Klick darauf führt auf den Lizenzvertrag. Diesen habe ich ebenfalls nur gescannt. Hängen blieb bei mir lediglich “Die kommerzielle Nutzung ist gestattet”, somit sollte es auf unserem unkommerziellen Blog überhaupt kein Problem sein – dachte ich. Ein wirklich dummer Fehler. Warum sollte ein Fotograf auch Bilder kostenfrei zur Verfügung stellen, wenn nicht wegen des Werbeeffekts?

Ich habe etwas gelernt. Ich hoffe, Sie auch.

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6 Antworten zu Urheberrecht

  1. Lisa Rosa schreibt:

    Urheberrecht ist ja eigentlich Autorenrecht und muss nicht mit dem Verwertungsrecht gekoppelt sein. Es hat auch nichts miteinander zu tun. Wenn ein vVerlag meine Blogposts druckt, dann muss ich nicht Geld dran verdienen oder Werbung für “meine Firma” damit verknüpfen. Aber ich würde es als unverschämte Enteignung empfinden, wenn jemand, sei es privat oder geschäftlich, mein Arbeitsprodukt weiter verbreitet, ohne mich als dessen Autorin zu nennen, oder gar so zu tun, als wäre es seines. Das entscheidende Wort ist dabei die Enteignung. Man kann bei Marx gute Gedanken zu diesem Begriff lesen, und ich habe in meiner Praxis schon erleben müssen, wie sich das anfühlt, wenn jemand meinen Text unter seinem Namen veröffentlicht und dafür Applaus bekommt. Nicht anders geht es selbstverständlich dem Fotografen, der Fotografin. Daher hat Creative Commons auch immer die Namensnennung drin. Viele im Netz, die nicht viel selbst produzieren, und nur gerne weitergeben, was sie interessant finden, haben Mühe, das zu verstehen. Aber selbst bei Sozialisierung aller Arbeit, Wissensarbeit, Kreativarbeit, darf man nie vergessen, dass die Arbeit und ihre Resultate die Grundlage für das Selbstbewußtsein des Menschen und für seine Subjekthaftigkeit sind. Nimmst du sie ihm weg, ohne das Werk mit seinem Namen zu verknüpfen, dann enteignest du ihn, wie das die Herrschenden in allen Epochen mit den Produzenten getan haben, die sie vernichtet haben als Individuen im Gedächtnis der Menschheit …
    so pathetisch wollt ichs gar nicht gesagt haben, aber so verknüpft mit dem Marxschen Enteignungsbegriff muss man es sehen, denke ich.

  2. Michael Folgmann schreibt:

    Sie haben Recht, das tieferliegende Motiv ist schlicht die Anerkennung der Leistung eines Menschen. Ich hatte das Motiv des Fotografen auf den bloßen Werbeeffekt reduziert, weil er mir dies explizit so erklärte. Diese Begründung leuchtete mir ein. (Ich hatte einen kurzen Emailaustausch mit ihm, um mich persönlich zu entschuldigen).

  3. Lisa Rosa schreibt:

    Wenn der Fotograf das Werbeargument in den Vordergrund gerückt hat, muss man das respektieren, er würde sich von mir sicher überinterpretiert fühlen.
    Was ich sehr interessant finde, ist, dass das Enteignungsthema im Übergang zum digitalen Zeitalter wieder ganz neu zur Sprache kommt. Die Verleger, die so aufs “urheberrecht” pochen, oder auch die Fotoagenturen, sie sind ja gar keine Urheber, sie sind Verteiler. Wie die Verleger zu Beginn des Industriezeitalters, die die Produkte der kleinen Warenproduzenten in Heimarbeit, wie zB der Schlesischen Weber, für pfennige aufkauften und das Vielfache an der Distribution verdienten.
    Damals sind nicht nur die Weber sondern auch die Tuchverleger kaputt gegangen, als die Fabriken entstanden. Heute sind im Bereich Publikation die Verlage wieder at risk: In internetzeiten ist ihre Leistung, für die Distribution zu sorgen, nicht mehr konkurrenzlos. Brauchen wir zukünftig diese Publikatoren, Verleger, Verteiler unserer Arbeitsprodukte noch? Ich glaube, weil sie ihren historischen Abgang befürchten, kämpfen sie so wild um ihre als Urheberrechte getarnten Verwertungsrechte. Vielleicht werden die wirklichen Urheberrechte ohne dieses Verlagswesen besser zur Geltung kommen?

  4. Michael Folgmann schreibt:

    Das Verlagsthema wird zukünftig sicher spannend. Apple sorgt hier mit iBooks Author ja auch für Gesprächsstoff. Für die Urheberrechtsdiskussion hier führt dies allerdings zu weit. Die Abmahnung wurde direkt vom Fotografen in Auftrag gegeben, nicht von einem Verlag und nicht von der Bildagentur Pixelio.

  5. siyman schreibt:

    Es ist natürlich schon über ein Jahr her und ich verstehe das Recht des Fotografen, jedoch ist der Weg über einen Anwalt als erster Schritt IMMER der falsche! Hier ist die Schuld aber nicht unbedingt bei Anwalt und Fotografen zu suchen, auch wenn beide gleich von dem Mittel gebrauchen machen, sondern beim Gesetzgeber, der das Internetrecht auf ein Verwertungsrecht reduziert. Es tut mir wirklich Leid für Sie, dass ein derart hoher Betrag ausgeschüttet werden muss. Eine einfache Unterlassungsaufforderung hätte gereicht, wenn nicht gar das simple Kontaktieren via E-Mail.

  6. Michael Folgmann schreibt:

    Ich bin da zwiegespalten. Ich weiß ja nicht, wie oft das bei diesem Fotografen passiert. Ich selbst hätte vermutlich ab einem bestimmten Punkt auch keine Lust mehr, meine Zeit unbezahlt dafür zu opfern, um Rechteverletzer zu recherchieren und Emails zu schreiben. Der Fotograf schilderte mir Fälle, in denen er per Email auf die Rechteverletzung hinwies und anstelle einer Entschuldigung sogar noch beschimpft und beleidigt wurde.

    Aber natürlich: Hätte der Fotograf mich per Email darauf hingewiesen, stünde sein Bild jetzt auch mit seinem Namen auf dieser Webseite. Nach der unmittelbaren Abmahnung habe ich natürlich auch keine Lust mehr darauf, Werbung für ihn zu machen und das Bild komplett entfernt.

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